Ackerschachtelhalm im Kleingarten

Ackerschachtelhalm im Kleingarten
Hartnäckiges Unkraut oder wertvoller Helfer?
Für viele Kleingärtner gehört der Ackerschachtelhalm zu den lästigsten Pflanzen überhaupt.
Kaum ist er entfernt, erscheinen bereits neue Triebe. Seine tiefreichenden Wurzeln und Rhizome machen ihn zu einem äußerst hartnäckigen Gegner in Beeten und Rasenflächen.
Doch wer den Ackerschachtelhalm nur als Unkraut betrachtet, übersieht seine wertvollen Eigenschaften. Seit Jahrhunderten wird er als natürliche Pflanzenstärkung genutzt und kann helfen, Pilzkrankheiten und andere Schadbilder im Garten deutlich zu reduzieren.

Der Ackerschachtelhalm – ein lebendes Fossil
Der Ackerschachtelhalm (Equisetum arvense) gehört zu den ältesten Pflanzen der Erde. Seine Vorfahren wuchsen bereits vor Millionen von Jahren und erreichten damals Baumhöhe.

Heute erkennt man ihn an seinen:

 grünen, gegliederten Trieben
 quirlförmig angeordneten Seitenästen
 tiefreichenden Wurzelsystemen

Besonders häufig findet man ihn auf:

 verdichteten Böden
 lehmigen Böden
 feuchten Standorten
 schlecht durchlüfteten Flächen


Warum wächst Ackerschachtelhalm so
stark?
Der Ackerschachtelhalm ist oft ein Zeiger für Bodenprobleme.

Sein Auftreten deutet häufig auf:

 Staunässe
 Verdichtungen
 hohen Lehmanteil
 schlechte Bodenstruktur

hin.
Wer ihn dauerhaft reduzieren möchte, sollte daher nicht nur die Pflanze bekämpfen, sondern
die Bodenverhältnisse verbessern.

Bekämpfung des Ackerschachtelhalms
Eine vollständige Beseitigung gelingt selten innerhalb eines Jahres.

Hilfreich sind:

Regelmäßiges Ausreißen
Vorteile:

 schwächt die Pflanze langfristig

Nachteile:

 zeitaufwendig
 mehrjährige Maßnahme

Bodenlockerung
Durch:

 Sandzugaben
 Kompost
 Tiefenlockerung

verbessert sich die Bodenstruktur.

Mulchen
Eine dauerhafte Bodenabdeckung schwächt den Austrieb.

Konkurrenzpflanzen
Dichte Bepflanzungen mit:

 Kürbis
 Zucchini
 Kartoffeln
 Stauden

können den Bestand verringern.

Die wertvolle Seite des Ackerschachtelhalms
Ackerschachtelhalm enthält außergewöhnlich viel:

 Kieselsäure
 Kalium
 Mineralstoffe
 Spurenelemente

Die Kieselsäure stärkt Pflanzengewebe und erhöht die Widerstandsfähigkeit gegen
verschiedene Pilzkrankheiten.

Gegen welche Krankheiten hilft
Ackerschachtelhalm?
Ackerschachtelhalm-Sud wird traditionell eingesetzt gegen:

 Echter Mehltau
 Falscher Mehltau
 Rosenmehltau
 Schönwetterpilze
 Blattfleckenkrankheiten
 Sternrußtau
 verschiedene Rostpilze

Außerdem stärkt er:

 Tomaten
 Gurken
 Kürbisse
 Rosen
 Weinreben
 Obstgehölze


Pflanzenstärkung statt Pflanzenschutzmittel
Der Ackerschachtelhalm-Sud gilt nicht als klassisches Pflanzenschutzmittel, sondern als Pflanzenstärkungsmittel.

Er wirkt vor allem vorbeugend.

Bereits befallene Pflanzen können unterstützt werden, Wunder sollte man jedoch nicht erwarten.

Der größte Nutzen entsteht durch regelmäßige Anwendung vor dem Krankheitsbefall.

Bewährtes Rezept für Ackerschachtelhalm-Sud
Viele Kleingärtner verwenden überlieferte Rezepte, die zusätzlich die Wirkung von Knoblauch und Zwiebeln nutzen.


Zutaten
 1 Eimer frischer Ackerschachtelhalm
 etwa 5 Knoblauchzehen
 3 Zwiebeln
 1 bis 2 Esslöffel Pflanzenöl
 kleiner Spritzer Spülmittel
 Wasser

Das Spülmittel dient lediglich dazu, das Öl gleichmäßig im Sud zu verteilen.

Zubereitung
Schritt 1
Den Ackerschachtelhalm sammeln.

Am besten:

 vor der Sporenbildung
 an trockenen Tagen

Schritt 2
Die Pflanzen möglichst klein schneiden oder hacken.

Dadurch werden die Inhaltsstoffe besser freigesetzt.

Schritt 3
Knoblauch und Zwiebeln grob zerkleinern und hinzufügen.

Schritt 4
Mit Wasser bedecken.

Schritt 5
Pflanzenöl und einen kleinen Spritzer Spülmittel hinzufügen.

Schritt 6
Die Mischung etwa 45 Minuten leicht köcheln lassen.

Dadurch lösen sich die wertvollen Inhaltsstoffe aus den Pflanzen.
Schritt 7
Die Flüssigkeit zunächst durch ein normales Küchensieb geben.

Schritt 8
Anschließend durch ein Leinentuch oder feines Baumwolltuch filtern.

Dadurch werden feinste Pflanzenreste entfernt.

Dies ist besonders wichtig, damit:

 Handsprüher
 Druckspritzen
 Rückenspritzen

nicht verstopfen.

Schritt 9
Den Sud abkühlen lassen und dunkel lagern.

Die hergestellte Menge reicht in vielen Kleingärten für eine gesamte Gartensaison.
Anwendung des Sudes
Vor der Anwendung wird der Sud verdünnt.

Bewährt hat sich:

 1 Liter Sud
 3 Liter Wasser

also ein Verhältnis von:

1:3

Anschließend werden die Pflanzen gründlich eingesprüht.

Besonders wichtig:

 Blattoberseiten
 Blattunterseiten
 junge Triebe

Wann sollte gespritzt werden?
Optimal sind:

 trockene Tage
 Morgenstunden
 bedeckter Himmel

Nicht unmittelbar vor Regen spritzen.

Wie oft anwenden?
Vorbeugend:

 alle 10 bis 14 Tage

Bei erhöhtem Krankheitsdruck:

 wöchentlich

Besonders gefährdete Kulturen:
 Rosen
 Gurken
 Kürbisse
 Tomaten
 Wein

profitieren von regelmäßigen Anwendungen.

Weitere Einsatzmöglichkeiten
Ackerschachtelhalm-Sud wird außerdem verwendet:

 zur Stärkung von Jungpflanzen
 gegen Blattfleckenkrankheiten
 zur Förderung stabiler Zellwände
 zur Verbesserung der Widerstandskraft gegen Witterungsstress

Grenzen der Wirkung
Ackerschachtelhalm ersetzt keine gute Gartenpflege.

Wichtig bleiben:

 ausreichende Pflanzabstände
 luftige Bestände
 richtige Bewässerung
 resistente Sorten
 regelmäßige Kontrolle

Der Sud wirkt unterstützend, nicht als Wundermittel.

Ackerschachtelhalm im Sinne des
naturnahen Kleingartens
Die Verwendung selbst hergestellter Pflanzenstärkungsmittel entspricht dem Gedanken eines
umweltbewussten und nachhaltigen Kleingartenwesens. Chemische Pflanzenschutzmittel
können häufig reduziert werden, während gleichzeitig natürliche Kreisläufe genutzt werden.

Gerade im Sinne des Bundeskleingartengesetzes und einer umweltschonenden
Gartenbewirtschaftung ist der Ackerschachtelhalm deshalb weit mehr als nur ein lästiges
Unkraut.
Fazit
Ackerschachtelhalm ist für viele Kleingärtner zunächst ein Ärgernis, da er sich auf schweren
und verdichteten Böden hartnäckig ausbreitet. Gleichzeitig stellt er jedoch eine der
wertvollsten heimischen Pflanzen zur natürlichen Pflanzenstärkung dar. Seine hohe
Konzentration an Kieselsäure hilft dabei, Rosen, Tomaten, Gurken, Kürbisse und viele andere
Kulturen widerstandsfähiger gegen Mehltau, Blattflecken und andere Pilzkrankheiten zu
machen. Mit einem selbst hergestellten Sud aus Ackerschachtelhalm, Knoblauch und
Zwiebeln lässt sich ein wirksames, kostengünstiges und naturnahes Pflanzenstärkungsmittel
herstellen, das in keinem Kleingarten fehlen sollte.

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